Historie

Wer war Joseph Carl HuberQuelle: Wikipedia

Huber eröffnete am 12. Dezember 1890 eine kleine Buchdruckerei in Dießen am Ammersee. Einige Jahre später konnte er eine Buchdruckerei angliedern und anschließend das Unternehmen unter wechselnden Namen (Druckerei J.C. Huber & Sohn, Graphische Kunstanstalt Jos. C. Huber K.G.) immer weiter ausbauen. Zum Zeitpunkt des 75. Firmenjubiläums im Dezember 1965 zählten dem Spiegel zufolge „namhafte Verlage und weltbekannte Industrieunternehmen zu den Geschäftspartnern der Firma“.


In den 1920er und 1930er Jahren gehörte die Hubersche Druckerei zu den wichtigsten Partnern der nationalsozialistischen Presse, deren Erzeugnisse sie druckte: Bereits 1920 bot die Firma der Deutschen Arbeiterpartei, der Vorgängerin der NSDAP, in Erwartung weiter Aufträge 5000 Flugblätter als Geschenk an.

In den folgenden Jahren druckte Hubers Firma zahlreiche Bücher, Broschüren, Flugblätter und Ähnliches im Auftrag der NSDAP. Am 13. Februar 1932 wurde die damalige Druckerei und Verlagsanstalt deswegen, zeitgleich mit dem Braunen Haus, dem Parteihauptquartier der NSDAP, von der Polizei durchsucht.


1934 führte Huber vor dem Oberlandesgericht Augsburg einen Prozess gegen Max Amann, den Besitzer des Franz Eher Verlages in München, bei dem es unter anderem um die Frage ging, ob Huber seinen Verlag als den „ältesten nationalsozialistischen Verlag“ bezeichnen dürfe. Vertreten wurde Huber in diesem Prozess von dem Rechtsanwalt und ehemaligen bayerischen Landtagsabgeordneten Alexander Glaser. Der Prokurist des Eher-Verlages erklärte während des Prozesses unter anderem: „Die Firma Huber und sein [sic!] Inhaber gehören vernichtet. Wir kämpfen nicht bürgerlich.“


Wenige Wochen später erfuhr Huber, dass sein Anwalt Glaser und sein Freund Bernhard Stempfle im Zuge der Röhm-Affäre erschossen worden waren und dass die SS auf der Suche nach ihm sei, woraufhin er nach Augsburg und dann Berlin floh. Dort wurde er Anfang August, mehrere Wochen nach dem Ende der Säuberungswelle, von der Gestapo verhaftet.

Am 11. Juli 1934 wurde Hubers Vermögen von der Bayerischen Politischen Polizei beschlagnahmten und seine Firma von einem Sequester liquidiert. In der deutschen Exilpublizistik kursierte in den folgenden Jahren außerdem die unzutreffende Annahme, Huber wäre, wie Glaser und Stempfle während der Röhm-Affäre erschossen worden.


Presse

Kreisbote - 12. Januar 2021


Erbengemeinschaft kämpft um Millionen-Areal

Dießen: Huber-Häuser bleiben „Lost Places“

Der Zahn der Zeit nagt unübersehbar an den Huber-Häusern in der Dießener Johannisstraße. Ein Rechtsstreit verhindert die Instandsetzung, obwohl die Marktgemeinde als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen ist.

© Roettig

Dießen – Der „ortsbildprägende Schandfleck“ in der Dießener Johannisstraße 11 bis 13 wird noch geraume Zeit seinen morbiden Charme ausstrahlen. Die Marktgemeinde als im Grundbuch eingetragene Eigentümerin des Areals kann weder sanieren noch ein Konzept für die zukünftige Nutzung erstellen, weil ihr eine Erbengemeinschaft das Ensemble in bester Lage streitig macht.

Wie die Öffentlichkeit jetzt erst auf Nachfrage von Ex-Bürgermeister Herbert Kirsch in der letzten Gemeinderatssitzung erfuhr, hat das Landgericht Augsburg bereits im August 2020 die Marktgemeinde Dießen als rechtmäßige Eigentümerin des Grund- und Immobilienbesitzes anerkannt. Die Klägerseite nahm das Urteil jedoch nicht hin und legte Widerspruch ein. Das nächste Kapitel der seit 2014 unendlichen Geschichte findet vor dem Oberlandesgericht statt. Solange sind der Gemeinde die Hände gebunden und die Huber-Häuser bleiben dem Verfall preisgegebene „Lost Places“. Man hat zwar die schlimmsten Schäden provisorisch repariert, damit kein Wasser eindringen kann. Außerdem wurden zwei Wohnungen für die Unterbringung von Flüchtigen renoviert.


Das unübersehbare Ensemble auf 2.450 Quadratmetern an der Johannisstraße besteht aus einer unter Denkmalschutz stehenden rosafarbenen Stadtvilla aus der Gründerzeit mit reichlich Dekor, einem roten Firmengebäude und einem gelben Wohnhaus dazwischen. Dahinter verbergen sich in zweiter Reihe die mächtigen Druckereigebäude um einen Innenhof.

Die Geschichte

Joseph Carl Huber (1870 – 1948) eröffnete im Dezember 1890 mit nicht mal zwanzig Jahren eine Buchdruckerei, die er immer weiter ausbaute und unter wechselnden Namen führte wie „Druckerei J. C. Huber & Sohn“ oder „Graphische Kunst- und Verlagsanstalt Jos. C. Huber K.G.“. Namhafte Verlage und Unternehmen zählten zu den Kunden. In der Blütezeit war Huber mit bis zu 250 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in der Gemeinde


Um 1950 verkaufte die Erbengemeinschaft Huber die Firma samt Immobilien- und Grundbesitz an den damaligen Geschäftsführer Hans Zaller und seine Ehefrau Charlotte. 1970 erwarb der bekannte Verleger Dr. Herbert Fleißner (1928 – 2016) die Firma, wobei aber Grund und Gebäude im Eigentum der Zallers blieben. 2003 verlagerte Fleißner den Betrieb nach Garching, wo er später in Insolvenz ging.

Für das Areal in der Dießener Johannisstraße hatte das Ehepaar Zaller mit Dr. Fleißner eine gesonderte Vereinbarung getroffen. Sie besagt, dass Grund und Immobilien dem Verleger zum Kauf anzubieten sind, wenn der das Angebot innerhalb von drei Monaten nach dem Tod des länger lebenden Ehepartners annimmt. In ihrem Testament hatten die Zallers die Marktgemeinde Dießen als Erbin und damit mögliche Verkäuferin der Liegenschaften eingesetzt. Hans Zaller starb im Juli 2002, seine Frau am 25. Oktober 2013 im Alter von 95 Jahren. Den jetzt eingetreten Erbfall gab der damalige Bürgermeister Herbert Kirsch auf dem Neujahrsempfang 2014 im Traidtcasten bekannt.


Wert in Millionenhöhe

Mit dem Tod der Witwe Zaller konnte Dr. Fleißner der Marktgemeinde Dießen als Erbin ein Kaufangebot machen. Das kam allerdings nicht in der vereinbarten Drei-Monatsfrist zustande, weil Dr. Fleißner erst im Januar 2014 vom Ableben Charlotte Zallers erfuhr. Im März forderte er die Gemeinde trotzdem zum Verkauf auf, die allerdings abblockte. Zum einen wegen der Fristüberschreitung, zum andern, weil sich das zugesagte Verkaufsrecht auf den niedrigen Einheitswert bezog und nicht auf den aktuellen Verkehrswert in Millionenhöhe.


Nach dem Tod von Verleger Fleißner 2016 wurden seine Erben aktiv und klagten vor dem Landgericht Augsburg auf das Kaufrecht. Im August 2020 wurde die Klage abgewiesen und die Marktgemeinde Dießen als rechtmäßige Eigentümerin der „Huber-Häuser“ bestätigt. Grund für Niederlage der Fleißner-Erben war die Nichteinhaltung der Drei-Monatsfrist.

Jetzt geht die nächste Runde ins Oberlandesgericht. Da man weiß, wie langsam die Justizmühlen mahlen, darf man getrost noch Monate oder sogar Jahre über den bunten Schandfleck in der Johannisstraße staunen, wobei man aber nicht der Gemeinde die Schuld geben darf.
Dieter Roettig


Link zum Artikel www.kreisbote.de

Das Tauziehen um die Huber-Häuser in Dießen geht weiter

27.01.2021 Quelle: Augsburger Allgemeine


Die "Huber-Häuer" in Dießen gelten für viele als Schandfleck. Jetzt geht es im Rechtsstreit zwischen der Marktgemeinde Dießen und den Erben eines Verlegers weiter.

Bild: Thorsten Jordan

Die Gebäude der Grafischen Anstalt Jos. C. Huber in der Johannisstraße in Dießen bieten seit vielen Jahren keinen schönen Anblick

Sicherheit für die alten Huber-Häuser

13.03.2017 Quelle: Kreisbote


Die Huber-Häuser wurden im Stil der Gründerzeit erbaut. Weitere Druckereigebäude gibt es in zweiter Reihe hinter den Liegenschaften an der Johannisstraße.

© Nagl

Dießen – Im Jahr 1879 gegründet, war die Druckerei Jos. C. Huber mit bis zu 250 Mitarbeitern lange Zeit der größte Arbeitgeber in Dießen. Nun hat sich der Gemeinderat einmal mehr mit der Zukunft der einstigen Betriebsgebäude an der Johannisstraße 11 und 13 beschäftigt – und klargestellt, die Gebäude in ihrem Bestand zu sichern, selbst wenn die Eigentumsverhältnisse erst in zwei Jahren abschließend geklärt sind.

Bis dahin kann nämlich ein Ankaufsrecht von anderer Seite beansprucht werden. Aktuell ist die Gemeinde als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen. „Ich wünsche mir, dass es dabei bleibt“, sagte Bürgermeister Herbert Kirsch im Gemeinderat. Allerdings muss investiert werden um den Bestand zu sichern. 100.000 Euro sind dafür im aktuellen Haushalt der Gemeinde vorgesehen, rund 92.000 Euro könnten nach der Schätzung des beauftragten Architekturbüros allein die wichtigsten Maßnahmen kosten. Dazu zählen Sanierungen am Außenputz, die Erneuerung von Fenstern sowie Kanal-, Elektro- und Glaserarbeiten.

Huber Häuser

Über den Dächern von Dießen

31. März 2017 Quelle: Marc Schlüpmann


Heute nachmittag gab es für den Dießener Gemeinderat einen Ortstermin in den Huber Häusern in der Johannisstraße 13.

Die ehemalige Druckerei steht seit vielen Jahren ungenutzt da und ist dem Verfall preisgegeben. Seit einiger Zeit ist die Marktgemeinde Dießen als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen. Dies kann sich jedoch noch durch das etwas ungewöhnliche Erbe ändern.


Um dem Verfall nicht weiter Vortrieb zu gewähren, wurde vom Gemeinderat beschlossen, die schlimmsten Löcher in Dächern und Fenstern zu reparieren. Ferner sollen die Regenwasserabläufe wieder instand gesetzt werden, um das Eindringen von Wasser in den Gebäudebestand zu verhindern. Eine Sanierung oder Instandsetzung, wie mancherorts behauptet wird, hat die Gemeindeverwaltung niemals in Erwägung gezogen und wurde auch nicht aus den Reihen des Gemeinderats bei der aktuellen Eigentumssituation gewünscht.

Was mit dem Gebäudekomplex letztendlich passiert, wird sich bis spätestens Ende 2019 entschieden haben, da dann die Einspruchsfrist der Erben abläuft.

Chance für Dießen

12. Januar 2014 Quelle: Marc Schlüpmann


Wie das Landsberger Tagblatt heute auf seiner Website berichtet, ist die Marktgemeinde Dießen in einem Nachlass bedacht worden: Die Gebäude der ehemaligen Druckerei Huber in der Johannisstraße sollen der Marktgemeinde vererbt werden.

Damit hat Dießen eine einmalige Chance, einen viel zitierten „Schandfleck“ im Luftkurort aufzuhübschen und endlich wieder sinnvoll zu nutzen. Dieses Areal mit seinen historischen und charmanten Gebäuden hat ein einmaliges Potential. Wenn es zu der Erbschaft kommt, haben jetzt Gemeinderat und die Bürgerinnen von Dießen die einmalige Gelegenheit, etwas Herausragendes und Besonderes in Dießen oder sogar am gesamten Westufer des Ammersees zu schaffen.